Raiffeisen Gesellschaft

Ausgewählte Zeitgenossen Raiffeisens

Hermann Schulze-Delitzsch

Hermann Schulze wurde in Delitzsch als Sohn des Bürgermeisters und Justizrates August Wilhelm Schulze geboren und studierte Jura. In Leipzig schloss er sich 1827 der Burschenschaft an, deren Vorsteherkollegium er angehörte. 1838 wurde er zum Oberlandesgerichtsassessor ernannt und war anschließend in Naumburg und beim Berliner Kammergericht angestellt.

Von 1841 bis 1849 war er als Patrimonialrichter über mehrere Rittergutsbezirke in seiner Heimatstadt tätig. Dadurch lernte er die Probleme der kleinen Handwerksbetriebe auf dem Lande kennen, die mit der fortschreitenden Industrialisierung nicht mithalten konnten. Nach einer Missernte 1846 wirkte er bei der Gründung eines Hilfskomitees zur Beschaffung von Getreide und zur Unterhaltung einer Mühle und einer Bäckerei mit. Sein soziales Engagement war wohl nicht ohne Einfluss darauf, dass er 1848 als linksliberaler Abgeordneter der Kreise Delitzsch und Bitterfeld in die Preußische Nationalversammlung gewählt wurde. Er nahm den Doppelnamen Schulze-Delitzsch an.

In der Preußischen Nationalversammlung wirkte er an Kommissionen mit, die sich mit der Situation der Gewerbetreibenden befassten. Dort kam er zu dem Schluss, dass die Situation der Handwerker nur dadurch zu verbessern war, dass es ihnen ermöglicht wurde, durch genossenschaftliche Zusammenschlüsse zu der sich rasch entwickelnden Industrie aufzuschließen.

Wegen der Reaktion nach der gescheiterten Revolution 1848 war er an jeder politischen Betätigung gehindert. Er verabschiedete sich deshalb vom Staatsdienst, um sich der Verbreitung der Genossenschaftsidee zu widmen. 1849 gründete er die Schuhmachergenossenschaft in Delitzsch und legte damit den Grundstein für sein Genossenschaftsverständnis. Er propagierte Spar- und Konsumvereine zur Gewährleistung der Lebensgrundlagen, Vorschuss- und Kreditvereine (die heutigen Volksbanken) zur Beschaffung von Geld für Investitionen und die Gründung von Distributiv- und Produktionsgenossenschaften. Außer mit der Idee der Produktionsgenossenschaften war er damit so erfolgreich, dass er als Dachverband den „Allgemeiner Verband der auf Selbsthilfe beruhenden Deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ schaffen konnte. Das System seiner Genossenschaften beruhte auf der Solidarhaftung, dem Erwerb von Genossenschaftsanteilen, der Beschränkung aller Leistungen auf die Genossen und der Ablehnung direkter Unterstützung durch den Staat.

1859 wurde er in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt, 1861 gehörte er zu den Gründern der Deutschen Fortschrittspartei und zog mit seiner Familie nach Potsdam. Als Landtags- und – seit 1867 – Reichstagsabgeordneter setzte er das Genossenschaftsgesetz in Preußen und im Norddeutschen Bund durch, wodurch die Genossenschaften eine gesetzliche Basis bekamen und als juristische Personen die Rechtsfähigkeit erhielten.

1871 wurde er in den Deutschen Reichstag gewählt – ein Amt, das er bis zu seinem Tode behielt. 1873 wurde ihm von der Universität Heidelberg die Ehrendoktorwürde verliehen. Er war Mitglied der Freimaurerloge Zur Beständigkeit in Berlin, einer Tochterloge der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.

Schulze-Delitzsch wurde auf dem Alten Friedhof in Potsdam bestattet. In Berlin-Mitte wurde am 4. August 1899 ein vom Bildhauer Hans Arnold geschaffenes Denkmal für ihn errichtet. Der Platz, auf dem das Denkmal steht, hat seit 1910 (mit Unterbrechung) den Namen Schulze-Delitzsch-Platz.[1]

Zum 200. Geburtstag von Hermann Schulze-Delitzsch gab Deutschland am 7. August 2008 eine 90-Cent-Sonderbriefmarke heraus.

Wilhelm Haas

Karl Friedrich Wilhelm Haas (* 26. Oktober 1839 in Darmstadt; † 8. Februar 1913 Darmstadt)

Wilhelm Haas war der Sohn eines schweizerischen, evangelisch-lutherischen Gymnasiallehrers. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Haas Rechtswissenschaften (1857–1861) an der Universität Gießen und schlug die hessische Beamtenlaufbahn ein. Um 1900 musste er schließlich aus dem Staatsdienst ausscheiden, weil die Behörden sein genossenschaftliches Engagement missbilligten.

Große Bedeutung hatte Wilhelm Haas als Organisator des deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens. In den Jahren nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst engagierte er sich in vielen Bauerndörfern. Er motivierte die Gemeinderäte, sich zur Sicherung des gemeinsamen Bezuges ihrer Rohstoffe zusammenzuschließen. Viele ländlichen Genossenschaften insbesondere die meisten Kreditgenossenschaften (Spar- und Darlehenskassen) beriefen sich auf Wilhelm Haas. Er war wie Hermann Schulze-Delitzsch politisch liberal, für ihn waren Genossenschaften praktikable Unternehmensformen zur Selbsthilfe. Sein Credo: „Die Genossenschaft bedeutet Freiheit, Freiheit auch insbesondere in wirtschaftlicher Beziehung.“

Im Jahre 1872 gründete Wilhelm Haas die Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft in Friedberg und initiierte im Jahre 1879 den Verband Hessischer Landwirtschaftlicher Kreditgenossenschaften. 1883 organisierte er die Vereinigung der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften (ab 1903: Reichsverband der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften) und wurde deren erster Generalanwalt (Präsident). 1907 übernahm er schließlich den Vorsitz des neu gegründeten Internationalen Bundes der Landwirtschaftlichen Genossenschaften.

Politik

Auch als Politiker erlangte Wilhelm Haas viel Einfluss. Von 1881 bis 1911 gehörte Haas als Mitglied der Nationalliberalen Partei für den Wahlkreis Starkenburg 10 / Gernsheim bzw. Starkenburg 5 / Fürth (33-34 Parlamentsperiode) der II. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen an und war ab 1887 deren Präsident. Von 1898 bis 1912 war er Mitglied des Reichstags und wirkte unter anderem an den Beratungen über das 1889 verabschiedete Genossenschaftsgesetz mit. Es gehört zu den besonderen Leistungen von Wilhelm Haas, dass er agrarische Selbsthilfeorganisationen initiierte und sie auf nationaler und internationaler Ebene vernetzte. Zur Würdigung dieser Verdienste verlieh ihm Großherzog Ernst Ludwig von Hessen im Jahre 1896 den Titel eines Geheimen Regierungsrates. Nach seinem Tod wurde 1924 anlässlich des 27. Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaftstages in Darmstadt ein Denkmal zu seinen Ehren eingeweiht (1956 erneuert).

Quelle: Wikipedia

F. W. Raiffeisen

  • "Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele..."

  • "Man nennt die Vereine nach meinem Namen.
    Ich habe dieselben indes nicht erfunden.
    Der erste Verein war ein Kind unserer Zeit, aus der Not geboren.
    Ich habe nur die Patenstelle dabei übernommen"

  • "Nach meiner festen Überzeugung gibt es nur ein Mittel,
    die sozialen und besonders auch wirtschaftlichen Zustände zu verbessern,
    nämlich die christlichen Prinzipien in freien Genossenschaften zur Geltung zu bringen"

  • "Es bildete sich hiernach immer fester der Entschluss aus, für die Vereine…
    eine eigene Bank ins Leben zu rufen, …um die aus dem Bankverkehr entspringenden
    Vorteile den Vereinen selbst zuzuwenden und für diese die ganze Einrichtung so zu treffen,
    dass sie den Bedürfnissen derselben entsprich"

  • "Ich konnte mich von der Idee nur ungern trennen,
    daß solche Vereine nicht auf Eigennutz,
    sondern auf Christenpflicht und Nächstenliebe gegründet werden und fortbestehen müßten.
    Gegen den hochachtbaren, auf dem Gebiete der Volkswirtschaft so sehr verdienten Herrn Schulze-Delitzsch
    hatte ich diese Idee in einem Briefwechsel sehr warm verteidigt;
    nach den gemachten Erfahrungen muß ich demselben indes auf das vollständigste darin Recht geben,
    daß derartige Vereine nur dann lebensfähig sind und bestehen können,
    wenn sie auf die unbedingte Selbsthilfe gegründet,
    d. h. nur aus solchen Personen gebildet sind, welche der Hilfe persönlich bedürfen."